Zum Hauptinhalt springen

Die Welleringhäuser Apfelallee

ein Anpflanzung von uralten Obstsorten

 Corbacher Zeitung

„Allgemeiner Anzeiger für das Fürstenthum Waldeck und das Nachbargebiet"  vom  09. März 1888

Welleringhausen: Dem Wunsch, in unserer Gegend mehr Sorgfalt auf die auf die Baumzucht zu verwenden, ist man in unserem Dorf schon nachgekommen. Auf Veranlassung unseres Herrn Lehrer Hopff ist voriges Jahr eine Gemeindebaumschule angelegt worden. Die Arbeiten in derselben werden unter Aufsicht und Anleitung des Herrn Lehrer ausgeführt. Diese Baumschule ist für unsere Gemeinde sehr nützlich!  Wollen wir später die Wege nach Bömighausen  und Alleringhausen mit Obstbäumen bepflanzen, so haben wir selbst schon Stämmchen genug und wir sparen auf diese Weise schon 300 - 400 Mark. Nach einer Reihe von Jahren werden uns die Bäume durch ihren Ertrag noch einen größeren Nutzen gewähren.   -Der Kreisschulvorstand  C. Giesecken-

Hintergrund: Gemeindebaumschulen wurden seinerzeit von der fürstlichen Regierung angeordnet, um die Gesunderhaltung der Bevölkerung in der Winterzeit, durch Obst und Vitamine zu erhalten. Die damalige Wertstellung wird auch durch die folgenden Beispiele sehr deutlich: Wenn ein fremder Mann ins Dorf einheiraten wollte, musste er zuvor zwei Obstbäume in die Gemarkung einpflanzen. Obstfrevel wie Diebstahl oder Baumvernichtung wurden mit Stockhieben belegt.

Aus der Gemeindebaumschule hat man später die „Welleringhäuser Apfelallee“ angelegt. Die lagerfesten Äpfel und Birnen wurden alljährlich vom Bürgermeister versteigert und der Erlös kam der Gemeindekasse zugute. Noch heute tragen viele der damals gepflanzten Bäume seltene Obstfrüchte, die dem rauen Klima der Uplandberge standhalten. Dazu folgende Beispiele:

Großer Rheinischer Bohnapfel

Herkunft:              unbekannt; am Niederrhein schon vor 1800

Genussreife:         Dezember bis Mai

Beschreibung:      Typischer Most- und Wirtschaftsapfel, häufig an Straßen und Wegen. Reichtragend, mit hoher Saftausbeute. In Höhenlagen kräftiger gefärbt

Prinzenapfel

Herkunft:              unbekannt, alte Sorte; vor 1800

Genussreife:         September bis November

Beschreibung:       Einst in Deutschland und bei uns beliebte und verbreitete Streuobst-sorte mit spritzig-aromatischer Frucht. Auch für Höhenlagen der Mittelgebirge geeignet. Selten geworden. Im Upland auch als Schluder- und Klapperapfel sowie Schafsnase bekannt.

Roter Eiserapfel

Herkunft:            ungewiss, sehr alte deutsche Sorte; angeblich schon im 16. Jahrhundert verbreitet

Genussreife:      Dezember bis Juni

Beschreibung:    Robuste Streuobstsorte mit extrem lagerfester Frucht; in Erdmieten wurde er bis zur folgenden Ernte eingelagert. Deshalb trotz seines mäßigen Geschmacks einst ein beliebter Wirtschaftsapfel. In ganz Deutschland noch vorkommend.

Saint Remy Birne

Herkunft:             Unbekannt, vermutlich Belgien vor 1800

Genussreife:        Januar bis Mai

Beschreibung:      Reine Wirtschaftsbirne, verbreitet in Holland. Hier in Altbeständen. Der Baum wächst mittelstark und ist nicht anfällig für Krankheiten. Gekocht wird das Fruchtfleisch rötlich.